Dummytraining

 

Unsere Hundetrainerin war so lieb, uns etwas über das Dummytraining zusammenzustellen. Vielleicht sammeln sich bald noch mehr Informationen, die wir hier präsentieren können.

 

Dummytraining

Dummytraining

nicht einfach nur apportieren

 

Wenn man sich die Geschichte des Labrador Retrievers etwas genauer anschaut, fällt einem auf, das der Labrador Retriever (wie übrigens alle Retriever Rassen) ein hochspezialisierter Jagdhund ist. Er wurde und wird als Hund nach dem Schuss eingesetzt, d.h. er soll weder das Wild aufstöbern noch eigenhändig erlegen. Seine Aufgabe ist es, das geschossene Wild in die Hände seines Hundeführers zu apportieren. Meiner Meinung nach, ist die Ausbildung des Labradors in diese Richtung immer noch die artgerechteste - denn dafür wurde er ja auch gezüchtet. Für nicht Jäger bietet sich statt Wild die Arbeit mit Dummys an. Dummys sind Leinensäckchen, die mit unterschiedlichen Materialien wie Sand, Kork o.ä. gefüllt sind. Es gibt sie aber auch aus Plastik.

Der Retriever - ein Spezialist unter den Jagdhunden
Auch Retriever sind Wolfsabkömmlinge, die eine gute Erziehung, viel Bewegung und Beschäftigung brauchen. Der Retriever ist für ein Leben in freier Natur prädestiniert und dazu geschaffen, mit seinem Menschen auf die Jagd mitzugehen - ohne wirklich Jäger zu sein. Die jagenden Hunde wie Vorstehhunde, Bracken, Laufhunde und Stöberhunde müssen Wild aufspüren, aufstöbern, es anzeigen oder dem Jäger zutreiben. Somit ist ihr Trieb Wild zu hetzen, von Natur aus sehr ausgeprägt. Ihre Erziehung und Ausbildung gehört in die Hand eines fachkundigen Experten.

Als "Apportierhund" ist der Retriever eigentlich kein jagender Hund, sondern er sollte ruhig bei Fuß gehen und den Jäger ins Revier begleiten. Erst nach dem Schuss wird er losgeschickt, um totes oder verletztes Wild zurückzubringen (was genau die deutsche Übersetzung des Wortes "to retrieve" ist). Beim Apportieren sollte er sich nicht durch lebende Fasane, Enten, Hasen etc. ablenken lassen, sondern sie ignorieren. Da das fein säuberlich zurückgebrachte Wild nach Möglichkeit in einem Kochtopf landen sollte, ist es wichtig, dass es auch sanft (mit weichem Maul) apportiert wurde - wer mag schon zermalmte Entenbrust.

Der Retriever wurde als Spezialist für die Wasserarbeit gezüchtet. Sein speziell wasserabweisendes Fell ermöglicht es ihm, auch unter widrigsten Witterungsbedingungen im Nassen Element erfolgreich zu arbeiten. In England, dem Ursprungsland der Labrador Retriever, wurde der angeborene Instinkt der Retriever, nämlich Beute nach Hause zu bringen, durch Zuchtauslese verstärkt, die jagdlichen Instinkte dagegen unterdrückt.

Die jagdliche Verwendbarkeit stand vor allem bei der Zucht des Labrador Retrievers im Vordergrund, so dass sich eigenständige Arbeitslinien entwickelten. Die Hunde sollten das erlegte Wild nicht einfach nur bringen, sondern am Ende einer Jagd die erlegten Stücke erst selbstständig suchen und finden und sich weder durch eisiges Gewässer, noch durch dichte Brombeerhecken oder ähnliches davon abhalten lassen. Trotz ihrer Passion müssen die Hunde ruhig und leichtführig sein.

 

Vom ausgebildeten Retriever wird verlangt:

  • dass er ohne einen Laut zu geben (kein Winseln und kein Bellen) unangeleint neben seinem Besitzer sitzt und das Geschehen beobachtet

  • dass er sich die Fallstelle (oder auch mehrere) merkt (markiert), und erst wenn er vom Führer zum Apportieren aufgefordert wird, das Gewünschte so effizient wie möglich zurückbringt

  • dass er jederzeit auf akustische Signale (Pfeife) und auf visuelle Signale (Handzeichen) reagiert

  • dass er trotz dieser sehr ausgeprägten Reaktion auf akustische und visuelle Signale (Führigkeit) selbstständig arbeitet

  • dass er seine Nase einsetzt und mittels Fährte zum Wild findet

  • dass er in jedem Gelände und auch im Wasser arbeitet

  •  dass er das Gefundene völlig unversehrt (ohne Einbisse) auf dem schnellsten Weg zum Führer zurückbringt.

Die Dummyarbeit
Soviel zum jagdlichen Einsatz unserer Retriever, aber nicht alle Retriever Besitzer können und wollen mit ihren Hunden auf die Jagd gehen. Eine wunderbare und für den Hund wertvolle Beschäftigungsmöglichkeit ist die "Dummy-Arbeit", welche die jagdliche Arbeit des Apportierens nach dem Schuss nachempfindet.

Das Dummy (übersetzt aus dem Englischen mit "Attrappe") ist ein festes Leinensäckchen (gibt es in verschiedenen Größen. Standard für erwachsene Retriever ist 500g). Es dient als Ersatz für ein Stück Wild und schwimmt auch auf dem Wasser. Wird das Dummy mit einem Dummy Launcher (speziell ausgerüstetes Schießwerkzeug) abgeschossen, fliegen die Dummies über eine große Distanz. So kann der Effekt des "nach dem Schuss" gut nachgestellt werden.

Die Dummy-Arbeit erfordert viel Zeit und Geduld. Vorraussetzung dafür ist eine gute Grundausbildung, die vor allem zuverlässiges Apportieren, schneller und guter Appell umfasst und den Willen zur Arbeit mit dem Führer erfordert. Ursprünglich wurde das Dummytraining in England als Vorbereitung des später jagdlich eingesetzten Retrievers durchgeführt. Leute mit Prüfungsambitionen, können mit ihrem ausgebildeten Retriever an Dummyprüfungen, dass heißt an Workingtests teilnehmen.

In England, wo Workingtests wettkampfmäßig durchgeführt werden, arbeitet man meist mit Retrievern aus reinen Arbeitslinien, die schnell und leichtführig sind. Diese Tests dienen auch als Vorbereitung für den jagdlichen Einsatz. Es gibt keine spezielle Prüfungsordnung dafür, vielmehr werden Jagdsituationen nachgestellt. Je nach Beschaffenheit des Geländes, gestaltet der Richter die Aufgaben selbst, was vom Hund einiges an Können und Flexibilität verlangt.

Vorgehensweise im Training
Im Training achte ich besonders darauf, dass ich das Trainingsniveau den körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Hunde anpasse. Durch die hoch konzentrierte Arbeit in unterschiedlichen Geländen und die ständig geforderte Aufmerksamkeit des Hundes kommt es zu einer hohen Belastung für dessen Geist und Körper. Im Anschluss an das Training sollte der Hund immer durch den Fund des Dummies positiv verstärkt werden, um auch in Zukunft Freude an dieser Beschäftigungsmöglichkeit zu haben. Bei kalten Temperaturen ist daran zu denken, dass der Hund langsam aufgewärmt wird und nach dem Training nicht auskühlt.

Dummytraining kann grundsätzlich für jeden Hund und dessen Halter eine sinnvolle Beschäftigung darstellen. Es muss nicht in organisierten Vereinen stattfinden, sondern ich finde es viel wichtiger, dass die sportliche und besonders die geistige Beschäftigung mit dem Hund im Vordergrund steht. Derjenige, der sich für das Dummytraining entscheidet, muss sich nicht an der klaren Struktur des klassischen Dummytrainings aus dem jagdlichen Bereich orientieren. Dummies können einfach versteckt, in Bäume und Äste gehängt oder auch nur zum apportieren genutzt werden.
Sie haben einen Hund an der Leine und keine Maschine, die auf Knopfdruck funktioniert!
Dabei sollte meiner Meinung nach die Freude für Hund und Halter im Vordergrund stehen und der Hund sollte zu keinem Training gezwungen werden.
Wenn jemand mit dem Vorsatz startet, „Dummymeister“, „Landesmeister“ zu werden oder sonst einen Meistertitel zu „gewinnen“, dem möchte ich ans Herz legen, seine Erwartungen nicht zu hoch zu stecken.

Vor der Praxis die Theorie:

Die gebräuchlichsten Begriffe beim Dummy-Training

Apportieren: Der Hund bringt das Dummy zum Hundeführer; er apportiert

Arbeitslinie: Hunde, die speziell für den Jagdeinsatz gezüchtet werden. Es wird besonderer Wert auf die Arbeitsleistung der Hunde gelegt.

Ausscheidungsfehler: macht der Hund während einer Prüfung einen Ausscheidungsfehler, so kann er diese Prüfung nicht mehr bestehen. Hierzu zählen u.a.: Tauschen, hartes Maul, Schussscheue, Winseln oder Bellen, Einspringen, Wasser verweigern, etc.

Blind: Ein Dummy fällt außerhalb der Sicht des Hundes. Die Flugbahn konnte nicht verfolgt werden (auch "unseen retrieve").

Blinken: Der Hund apportiert ein Dummy nicht, sondern lässt es liegen und sucht weiter.

Delivery: Die Abgabe des Dummies an den Hundeführer

Doppelmarkierung: Es werden zwei Dummies nacheinander geworfen, die der Hund sich merken und apportieren soll.

Dual Purpose: (für beide Zwecke) Ein Hund, der sowohl bei der Arbeit als auch auf Ausstellungen erfolgreich ist.

Dummy (Attrappe): Leinensäckchen, die statt Wild zum Apportiertraining verwendet werden. Ein Standard-Dummy wiegt 500 g und ist schwimmfähig.

Dummy-Arbeit: Es werden jagdliche Situationen nachgestellt. Hauptbestandteile des Dummy-Trainings: Die Markierung, die Verlorenensuche, das Einweisen.

Dummy-Launcher: Ein Abschussgerät, durch das man die Dummies über weite Entfernungen befördern kann.

Dummyprüfungen: Prüfungen der Retrieververbände, bei denen mit Dummies gearbeitet wird. Die Prüfungsaufgaben sind genau festgelegt im Gegensatz zum Working Test. Man unterscheidet drei Leistungsstufen (Anfänger-, Fortgeschrittenen- und Siegerklasse).

Einspringen: Der Hund läuft zum Dummy, ohne vorher das entsprechende Kommando abgewartet zu haben. Der Hund muss so lange still Stehen oder Sitzen bleiben, bis er das Kommando zum Apportieren bekommt. Auf einer Treibjagd währe es nicht nur für den Hund lebensgefährlich in die Schusslinie zu rennen, es würde auch den Jagderfolg beeinträchtigen, da der Hund Wild hochscheucht und der Jäger nicht zum Schuss kommt. Dies ist wohl der größte Unterschied zum „Bällchenwerfen“! Das unkontrollierte losrennen wird also Einspringen genannt.

Einweisen: Der Hund kennt die Fallstelle des Dummies nicht und wird vom Hundeführer durch Sichtzeichen und Pfeifsignale dorthin dirigiert.

Field Trial Linie: "Arbeitslinie"

Fiepen: Der Hund winselt, ist nicht "steady".

Freie Verlorenensuche: Die selbständige Suche des Hundes in einem bestimmten Bereich.

Führigkeit: Die Art und Weise wie der Hund mit seinem Hundeführer zusammenarbeitet und dessen Hilfen annimmt und befolgt.

Grundgehorsam:
Damit man überhaupt an weitere Aufgaben denken kann, muss der Hund Leinenführig sein, die Kommandos Sitz und Platz beherrschen, sich nicht aus dem Einwirkungskreis des Hundeführer begeben. Wenn der Hund in größerer Entfernung vom Hundeführer selbstständig arbeiten soll, muss man schon sicher sein, dass er sich nicht alleine verlustiert! Er darf also schon mal überhaupt nicht hetzen, muss sofort auf Zuruf oder Pfiff zurückkommen. Wenn ein Hund ohne Dummy nicht kommt, wird er es mit Dummy erst recht nicht machen! 

Handler (engl.): Hundeführer

Handling: Das Führen des Hundes

Handzeichen (auch optische Signale): Zur Verständigung Hundeführer/Hund über weite Distanzen

Hartes Maul: Das Dummy wird nicht unversehrt apportiert (Ausscheidungsfehler).

Knautschen: (s. hartes Maul) Das herumkauen auf dem Dummy :Das Dummy wird vom Hund "gelocht", d.h. es sind deutliche Zahnabdrücke im Stoff zu sehen. Es ist naheliegend, dass Wild nicht zum Spaß, sondern zum späteren Verzehr geschossen wird. Wer möchte schon einen vom Hund weichgekauten Hasen essen?

Line: s. Walk-up

Markieren: Genaues Beobachten der Flugbahn des bzw. der Dummies inkl. Merken der Fallstelle.

Markierung: Ein sichtig geworfenes Dummy, dessen Flugbahn der Hund ganz oder teilweise beobachten kann.

Memory Mark: Eine Markierung, die entweder zeitverzögert gearbeitet wird, oder bei der man seinen Standort wechselt und den Hund von diesem anderen Standort losschickt.

Mouthing: Der Hund hält das Dummy zu locker und schiebt es im Fang hin und her.

Moxon Leine: Halsband und Leine in einem Stück.

Pick up: Die Aufnahme des Dummies

Running-Rabbit-Dummy:
Ein großes leichtes Dummy, das an einem Gummiband hängt. Damit wird die "Stadiness" trainiert, der Hund darf trotz dieser Verleitung nicht einspringen.

Schussempfindlichkeit: Der Hund reagiert unsicher auf Schüsse, zeigt aber kein Meideverhalten

Schusshitzigkeit: Der Hund reagiert sehr aufgeregt auf Schüsse. Dies kann zu Einspringen und Kontrollverlust führen.

Schussscheue: Der Hund erträgt die Schüsse nicht, flüchtet. Dies sollte bei Jagdhunderassen nicht vorkommen und gilt als Wesensfehler.

Showlinie: Hunde, die für die Show, d.h. für Ausstellungen, gezüchtet werden.

Steadiness: Der Hund soll ruhig (steady) neben dem Hundeführer auf seinen Einsatz warten. Er darf nur den Kopf bewegen, um markieren zu können.  Er soll weder Bellen, Fiepen noch herumzappeln. Der Hund darf andere Hunde in Ihrer Arbeit nicht stören. Er wartet auch bei Abgabe eines Schusses gelassen auf seinen Einsatz. 

Tauschen: Der Hund lässt ein bereits aufgenommenes Dummy fallen, um es gegen ein anderes einzutauschen.
Bei Mehrfachmarkierungen oder der Freiverlorensuche liegen mehrere Dummys aus, die der Hund nacheinander apportieren soll. Nun kann es passieren, dass der Hund auf dem Rückweg zum Hundeführer an einem anderen Dummy vorbeikommt, dass erste, welches er schon trägt ablegt, um sich eben das neue zu nehmen. Wieder mal muss man auf die jagdlichen Hintergründe schauen, dann wird klar, warum Tauschen so verpönt ist. Der Hund sollte geschossenes wild nicht „Umsortieren“ und durch häufiges Aufnehmen noch beschädigen sondern unverzüglich bringen! 

Unsteadiness: Als "unsteady" bezeichnet man einen Hund, der beim Arbeiten bzw. Warten bellt, winselt oder heult, der einspringt oder insgesamt so unruhig ist, dass er zuviel Aufmerksamkeit von seinem Hundeführer abverlangt. Unsteadiness ist ein Ausscheidungsfehler.

Walk up: Hier wird eine Streifjagd simuliert. Die Hundeführer laufen mit ihren Hunden in einer Linie. Aus der Linie heraus arbeiten die Hunde nacheinander die Dummies.

Will to Please: Der Hund ist bemüht, seinem Besitzer Freude zu bereiten und arbeitet gerne mit ihm zusammen.

Working Test: Für diese Tests gibt es keine festgelegten Prüfungsaufgaben. Es werden Situationen aus der jagdl. Praxis nachgestellt.

Wundfährte:
So nennt man die Blutspur, die ein verletztes Tier verliert, wenn es versucht sich zurückzuziehen. Auf diese Wundfährte werden Hunde z.B. angesetzt, wenn ein verletztes Reh oder Wildschwein nach einem Verkehrsunfall flieht. Oft kann das Tier nur durch gute Hund schnell von seinen Leiden Erlöst werden. Die Hunde suchen Tropfen für Tropfen, zeigen (Verweisen) Haarbüschel und Knochensplitter an, was dem erfahrenen Jäger Rückschlüsse auf die Art und Stelle der Verletzung zulässt. 
Bücher zum Thema „Dummytraining“
Wie für so viele Bereiche gibt es auch für das Dummytraining viele Angebote im Bücherregal.  Nachfolgend führe ich einige Bücher auf, welche man begleitend zum Training im Regal haben kann.    Von „Soll“ oder „Muss“ schreibe ich hier nichts. Für mich sind Bücher eine sinnvolle Ergänzung. Jeder kann selber entscheiden, sich das eine oder andere zuzulegen oder es sein zu lassen.

Ein kleiner Tip: Amazon hat viele Bücher auch günstiger!!! Einfach mal online gehen und reinschauen!!!
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Die drei Apporte  Markieren-Suchen-Einweisen
von Tineke Antonisse.Zijda

http://www.die-drei-apporte.de

Die Kosmos-Retrieverschule. Grunderziehung und Dummytraining von Norma Zvolsky

Dummytraining Schritt für Schritt von Viviane Theby und Lisa Peitz

Dummyarbeit mit Retrievern von Verena Ommerli